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„Hass führt zu Mord“ – Gedenkfeier zu Pogromnacht in Papenburg

Plakate mit aktuellen Überschriften standen im Mittelpunkt eines kleinen Schauspiels der Schüler der Michaelschule bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht.

Mit eindringlichen Worten warb am Montagabend Bürgermeister Jan Peter Bechtluft für mehr Toleranz und Offenheit. Bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht von 1938 sagte er: „Intoleranz entsteht im Kopf. Intoleranz führt zu Hass. Hass führt zu Mord.“ Rund 250 Besucher waren zur traditionellen Gedenkfeier zum Denkmal für die zerstörte Synagoge am Hauptkanal neben der Sparkasse gekommen. Bechtluft war froh, dass so viele Papenburger an diesem Abend ein Zeichen der Erinnerung und der Mahnung setzten.

„Die schrecklichen Ereignisse sollen uns ins Gedächtnis rufen, wie diese unvorstellbaren Verbrechen passieren konnten. Wir stehen heute hier, um sicher zu stellen, dass so etwas nie wieder passiert.“ In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es im Deutschen Reich zu organisierten Pogromen gegen jüdische Deutsche. Dabei wurden zahlreiche Synagogen in ganz Deutschland zerstört, mehrere hundert Menschen getötet und tausende Juden verhaftet und deportiert. Die Pogromnacht ist der Beginn der massenhaften Verfolgung der Juden und ihrer anschließenden Vernichtung in Konzentrationslagern.

 

Namen der jüdischen Opfer wurden verlesen

Diese Geschehnisse und Entwicklungen nahmen auch die Schüler der Michaelschule auf, die das Programm der diesjährigen Gedenkveranstaltung gestaltet hatten. Sie zogen allerdings auch Bezüge zu aktuellen politischen Diskussionen. So zeigten die Schüler Schlagzeilen der vergangenen Wochen über brennende Flüchtlingsheime und rechte Gewalt gegen Asylbwerber und ihre Helfer. Im Anschluss an die szenische Darstellung verneigten sich zwei der Schüler gemeinsam mit Bürgermeister Bechtluft vor dem Gedenkstein. Dann wurden die Namen der jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Terrors in Papenburg verlesen.

 

Hinweis auf kürzlich verstorbenen Wilhelm Polak

Auf einen Namen hatte dabei Bürgermeister Bechtluft bereits in seiner Ansprache hingewiesen: Auf den kürzlich gestorbenen Wilhelm Polak. Bechtluft würdigte ihn als jemanden, der nach den Gräueln der Nazizeit den Papenburgern seine Hand gereicht habe. Wilhelm Polak habe danach sein eigenes Leben in seiner Heimatstadt aufgebaut und dadurch auch Papenburg mitaufgebaut. „Durch das mutige Ausstrecken seiner Hand an die Papenburger ist er ein Vorbild dafür, wie man Vorurteile und Intoleranz, sogar Hass überwinden kann.“ Bechtluft betonte an, dass man das Andenken an Wilhelm Polak würdigen werde. Die Benennung einer Straße im Ortsteil Untenende nach Wilhelm Polak käme dafür in Frage. Eingerahmt wurde die Gedenkfeier zur Pogromnacht wie in den Vorjahren vom Klezmer-Ensemble des Gymnasiums und vom Musikverein von 1996.