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Tunxdorf und Nenndorf

Tunxdorf und Nenndorf bilden heute eine Dorfgemeinschaft, deren ursprüngliche Entstehung auf das 9. Jahrhundert zurückgeführt wird. Die sprachwissenschaftliche Bedeutung des Namens Tunxdorf ist unsicher bestimmbar. Eine Erklärung geht zurück auf das altdeutsche "Tunglasthorpe" von "Tunglas" aus got. Tungo "Zunge für eine zungenförmige Landfläche" und "thorpe" für "Dorf". Die Ortschaft ist wahrscheinlich die Stammheimat eines gleichnamigen Geschlechts "von Tungesthorp", das 1152 in einer Urkunde des Bischofs von Münster genannt wird.

Im 14. Jahrhundert lassen sich in den mittelalterlichen Lehnsregistern der Bischöfe von Münster und Osnabrück in Tunxdorf 3 adelige Sitze nachweisen, von denen sich die Erblinie der Familie "von der Ruhr" bis in die aktuelle Zeit verfolgen lässt. Nach der Überlieferung soll eine alte Burg (wahrscheinlich eine Art Landhaus, von Wassergräben umgeben) zwischen dem Dorf und dem Überschwemmungsgebiet gelegen haben, Überreste sind jedoch nicht mehr nachweisbar. Von der Bedeutung des Ortes um 1600 zeugt die Tatsache, dass der Ort einen "Frohnen" als Verwaltungsbeamten zum Erheben von Steuern hatte.

Seit 1632 ist in Tunxdorf der Betrieb einer Mühle überliefert (die Bockwindmühle wird 1747 neu errichtet; 1885 folgt die Ablösung durch den Neubau eines Galerie-Holländers auf dem Wehrdeich, 1943 nach einem Schaden an den Flügeln schließlich die Stilllegung der Mühle). Die Gründung des Schützenvereins Tunxdorf-Nenndorf wird auf das Jahr 1690 zurückgeführt (1990 feiert er sein 300-jähriges Bestehen). In den Jahren 1715 bis 1875 betreibt Tunxdorf eine für den Verkehr zwischen Ostfriesland und Münster bedeutende Fähre.

1775 versuchen sich die Nenndorfer, Bokeler und Papenburger durch einen Wehrdeich vor den Überschwemmung der Ems zu schützen. Tunxdorf beteiligt sich um 1880 im Deichverband Aschendorf-Rhede-Tunxdorf, nach 1910 erfolgt über den Tunxdorfer Deichverband die Erhöhung des Sommerwehrdeiches. In den Jahren bis 1936 folgen Überflutungen, Deichverstärkungen und -erhöhungen, ein neues Siel wird eingebaut. Mit dem neuen Winterdeichverband Heede-Aschendorf-Papenburg ab 1957 ist schließlich eine optimierte Deichlinie mit Schöpfwerk errichtet, im Rahmen der Sandentnahmen entsteht der Tunxdorfer Waldsee.

Um 1900 wird im Zug des Ausbaus des Dortmund-Ems-Kanals die Ems für die Schifffahrt durch einen Emsdurchstich an der Tunxdorfer Schleife begradigt. Über den Durchstich erfolgt die Errichtung einer Auslegerbrücke. Die Tunxdorfer Brücke wird 1945 von den deutschen Truppen gesprengt, 1950 wieder instandgesetzt, um dann Ende 1977 endgültig abgerissen zu werden (sie stellt aus hydraulischen, bau- und verkehrstechnischen Gründen ein Hindernis für die Emsschifffahrt dar).

Während des 2. Weltkrieges bleiben Tunxdorf und Nenndorf weitgehend verschont. Vom Mai 1945 bis April 1946 wird Tunxdorf 11 Monate für die Einquartierung von 600 Zivilpolen komplett geräumt, die Einwohner müssen auf den Höfen in Nenndorf Unterkunft suchen.

1949-1950 wird auf Initiative des Kapellenvereins Tunxdorf-Nenndorf die Herz-Marien-Kapelle als Filialkirche der Aschendorfer Pfarrei errichtet (nach Renovierungen in den Jahren 1960,1969 und 1986-1991 folgt eine neue Orgel). Die Schule in Tunxdorf besteht von 1822-1853 zunächst noch getrennt von Nenndorf, mit dem Schulneubau 1853 anschließend als gemeinsame Einrichtung (1974 wird mit Zuordnung zur Grund- und Mittelpunktschule Aschendorf der Schulstandort aufgelöst - das Schulgebäude dient von da an als Dorfgemeinschaftshaus).

Im Zuge der Niedersächsischen Verwaltungs- und Gebietsreform wird die Gemeinde Tunxdorf wie auch Nenndorf, Bokel, Herbrum und Aschendorf am 01.01.1973 in die Stadt Papenburg eingemeindet. Heute sind Tunxdorf und Nenndorf überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Landschaftliche Wahrzeichen sind zum einen der Tunxdorfer Waldsee, der im Sommer Camper und Badelustige einlädt und ganzjährig ein beliebter Naherholungsort ist.

Das bisherige Naturschutzgebiet Tunxdorfer Schleife, der um 1900 durch den Emsdurchstich von der schiffbaren Ems abgetrennte Altarm, gehört heute zum neuen übergreifenden Naturschutzgebiet "Emsauen zwischen Herbrum und Vellage". Neben typischer Auenlandschaft mit Röhricht- und Flußwattbereichen finden sich hier ausgedehnte Feuchtwiesengebiete - Brutgebiet für Wiesenvögel wie auch als Rastplatz für nordische Gastvögel.

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